Ein paar schnelle Gedanken zu den Search Strategien der Parteien im Bundestagswahlkampf.
Es wird bestimmt in den nächsten Tagen sehr gute und erschöpfende Analysen der Online Marketing Strategien der Parteien geben, hier nur ein paar Gedanken zur Positionierung der Wahlkampfinhalte in Google und co. Was mir bei allen Testabfragen in den letzten Tagen aufgefallen ist – alle Parteien haben es versäumt eine an den Nutzer- (bzw. Wähler-)bedürfnissen ausgerichtete Search Kampagne einzurichten und damit viel Potenzial verschenkt (um genau zu sein, haben die meisten Parteien überhaupt keine Search Kampagne eingerichtet, und damit noch mehr Potenzial verschenkt). Ich möchte den Gedanken hier gerne etwas ausführen.
Exemplarische Keywords wie Atomkraft, Kindergeld, Umweltschutz, Arbeitslosigkeit werden von den Parteien nicht bedient, von den Umwelt- und Interessensverbänden dagegen schon. Das ist ein offensichtliches Versäumnis, es werden also nicht mal die basics abgedeckt, entsprechen diese Testkeywords doch vor einer großen Wahl den Themen, über die sich die Menschen informieren. Dass der Wähler vor der Wahl in einem “ich und schau mal vor der Wahl was die Parteien zum Thema XY zu sagen haben” set-of-mind ist, wird von den Wahlkampfstrategen nur ansatzweise genutzt (oder war das Absicht?). Ein großes Versäumnis.
Ein noch viel größeres Versäumnis ist es meines Erachtens aber, dass die im Alltag relevanten Fragestellungen und Probleme der Bevölkerung nicht bedient wurden. Zu keywords wie Hartz 4, Jobsuche, Elektrosmog, Benzinpreis, Zahnzusatzversicherung – also Themen die über die großen mainstream (und von den Mainstream Medien geprägten) Wahlthemen hinausgehen und im Alltagskontext der Leute eine Rolle spielen, zu denen aber dennoch die Politik selbstverständlich eine Position einnimmt, wurden komplett ausgelassen. Dabei wäre eine direkte Stellungnahme der Parteien zur Meinungsbildung der Bevölkerung ausgesprochen effektiv gewesen. Das sind Einstiegspunkte, über die sich eine Partei jenseits der Imagekampagnen positionieren kann und auch credibility aufbauen kann. Und den Wähler gut informiert in die Wahl schicken kann, so es denn gewünscht ist.
Ich bin sicher, dass mit der zunehmenden Medienfragmentierung und der leichteren Bereitstellung von Informationen, die für den einzelnen relevant sind, spätestens in vier Jahren eine derartige “globale” Searchkampagne ablaufen wird. Das gilt für SEM, in besonderem Maße aber auch für SEO, verfügen die Parteien doch über ein Universum an Inhalten, die nur web- und SEO gerecht aufbereitet und eingesetzt werden müssen, um eine umfassende Präsenz in alle Themenbereichen sicher zu stellen. Ob das eine weitere Zersplitterung der Parteien aufgrund der vielfältigen und differenzierten Themenmixe (und der in Folge der Transparenz gut informierten Wähler) zur Folge haben wird, wird man dann sehen, den etablierten Parteien, die auf Imagewerbung setzen, wird es nicht unbedingt nutzen.
In diesem Zusammenhang ein Wort zu Klaus Uwe Benneter, der vom Spiegel Blog den zweiten Platz in der Goldenen Laber Lorbeer Competition für seinen Plakatslogan “Benneter. Den kenn ich” bekommen hat. Mir ist der Slogan zufällig am Tag der Wahl, bei einer Fahrt durch Steglitz aufgefallen und ich finde ihn in seiner Konsequenz ehrlich gesagt genial. Er treibt doch die Imagekampagnenansätze, die alle Parteien gefahren sind, auf die Spitze. Die Nase kenn ich, also wähl ich sie, Inhalte ausgeklammert. Endlich spricht es jemand aus. Es ist wie beim Fussball. Je mehr Spieler man kennt, desto mehr hat man über die Mannschaft zu quatschen. Social Currency statt Politik.

