Apple, die GEZ und warum die digitale Revolution endet bevor sie beginnt

Apple hat bekannt gegeben, dass es in Zukunft 30% der Einkünfte aus subscription based services einbehalten wird.

Steve and the Dollars

30% auf Magazine und andere Aboinhalte, die auf ipad und co. konsumiert werden. Na und? Den Konsumenten ist es egal, an wen ihr Geld fliesst. Die großen Verlage sind (vereinfacht dargestellt) ambivalent – der Argumentation von Techcrunch, dass neben der ganz konkret schrumpfenden Marge auch das ganze Geschäftsmodell durch den Verlust über die Consumerdaten in Frage gestellt wird, steht Döpfners Gebet gegenüber. Also die Ahnung, dass das Auslaufmodell Verlag froh sein kann, dass es eine geschlossene Plattform gibt, die so attraktiv ist, dass Kunden, welche die Inhalte sonst umsonst oder gar nicht konsumiert haetten, wieder dafuer bezahlen. Der bevorstehende Aufschrei um die Margen könnte als  weiterer Reflex einer Branche im Sinkflug gedeutet werden.

Was offensichtlich scheint, ist Apples Strategie  – man nutzt die Kontrolle über die Plattform, um Eingriffe in die Distributionsinfrastruktur (in diesem Fall von digitalen Inhalten) vorzunehmen. Lustigerweise geht Apple hier weit über das hinaus, was seinerzeit Microsoft (aka the evil empire) versucht hat – und setzt seine Stellung dahingehend ein, nicht nur die eigenen Produkte zu verkaufen, sondern auch noch die gesamte Mediawelt als “Zulieferer” einzubinden und mit zu verdienen. Aber so sind sie eben die (Quasi)Monopolisten – ich erinnere mich noch gut wie vor vier oder fünf Jahren Google in die Agentur kam, um zu verkünden, dass der Adwords-Kickback und damit die Einkommensquelle vieler Agenturen gestrichen wird. Und wie gut das doch fuer den Markt sei. Und wo wir schon bei Google sind – sowohl  Netzwertig als auch  Carta argumentieren, dass Apples 30%-Schritt Android zugute kommen wird. Das klingt zunächst schlüssig, sieht man jedoch den Markt als Ganzes werden hier lediglich Marktanteile vom Teufel auf den Beelzebub übertragen, da Google natuerlich aus seinem immanenten Selbstverständnis heraus genauso handeln würde/wird. Die Verlage kommen dadurch nicht aus ihrer persönlichen Strukturkrise. Zudem ist die Frage, ob sie wirklich die Wahl haben, Apple den Rücken zu kehren. Immerhin handelt es sich bei Apple und Android um komplementäre und nicht um alternative Systeme. Oder hat jemand ein iPhone UND ein AndroidPhone?

Wie auch immer, neben diesen v.a. den Verlags/Contentbusiness betreffenden Fragen habe ich das diffuse Gefühl, dass hier etwas Ungutes passiert, mit einer Dimension, die noch wesentlich weiter geht. Träumen wir mal von einer Zukunft, in der aufgrund des strukturellen Wandels die alten Informationsdistributionskartelle (a la Berlusconi) entmachtet sind. Das Prinzip Wikileaks hat die professionellen Redaktionen revolutioniert, Qualität und Transparenz sind die Folge und es hat sich in der einen oder anderen Form faires Vergütungsmodell fuer Content-Schaffende etabliert (Kulturflatrate, flattr  oder was auch immer). Egal welcher privatwirtschaftliche Konzern die Plattform  der Zukunft dominiert, Apple, Google (oder auch Facebook), er wird Wege suchen, mit seiner Position Geschäft zu machen. Im besten Fall haben wir dann mit Apple eine GEZ 2.0, ohne das gesamtgesellschaftlich “legitimierte”  Vorstandsgremium aus Parteien, Kirchen(!?) und Verbänden, bei der sich die Gebühren Produzenten und Konsumenten teilen und die Einnahmen nicht in die Produktion zurückfließen sondern komplett abgeschöpft werden. Im schlimmsten Fall aber könnten Apple und co auch die Option einer direkten Einflussnahme anstreben, um ihre Interessen durchzusetzen. Das mögen wirtschaftliche wie Profitmaximierung und Wettbewerbsverdrängung sein. Aber wer weiss schon, was Steve, Sergej, Larry und Mark noch so auf der Agenda haben, das Feld für Verschwörungstheorien ist, glaube ich, was diese Herren angeht recht weit. Diesseits der Konspiration sei an Amazon erinnnert, wo letztes Jahr die Wikileaks-Seiten rausgeworfen wurden. Dem freien Informationsfluss sind diese aufkommenden, neuen Monopol-Strukturen in Privathand jedenfalls tendenziell abträglich.

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